Wunder

Powerbeats und Elektrosounds. Texte, die sich nicht scheuen,
Barrieren zu überwinden. Eine Sprache, die ihre Kraft aus der Direktheit des Gefühls
und des Engagements zieht. Eine Musik, die gewaltig hervorbricht und Licht in
das Dunkel der menschlichen Abgründe bringt. Wunder müssen sich nicht
um Trends kümmern, sie bilden ihren eigenen, gehen ihren eigenen Weg und
erwecken auch gar nicht den Anschein, als würden sie sich da reinreden lassen.
Das Selbstbewusstsein einer Postpunk-Generation trifft auf die Selbstverständlichkeit
der Verweigerung, trifft auf die Empfindlichkeit der menschlichen Seele. Ihr Werkzeug
sind fette Computersounds, kratzende Gitarren und eine kräftige und zugleich
verträumte Stimme.
Wunder sind Katrin Schröder, Arne Ghosh, Peter Keller und Achim Köllner.
Sie bringen auf den Punkt, was ihnen aufstößt. Sie sind persönlich und
politisch, aber sie wollen die Welt nicht retten. Ihr Statement lautet: „Wir
machen nicht mit“, und so verweigern sie sich allzu simplem Zugriff auf der
ideologischen Schiene. Dazu wird auch schon mal Deutsch mit Englisch gekreuzt
– Wunder halten nicht viel von künstlichen Grenzen oder gekünsteltem
Gehabe. Was raus muss, muss raus. Der Ausdruck einer Generation.
„Wir gehören zu einer Generation, die im Überfluss der 80er aufgewachsen ist
und in den Neunzigern damit konfrontiert wurde, das all das wegbröckelte.“ so
Gitarrist Keller. „Plötzlich musste man lernen, flexibel zu sein und die Dinge
selbst in die Hand zu nehmen. Seine Bar eröffnen, eine eigene Firma aufzuziehen
oder eine Band zu gründen. Du musst dabei die Ungewissheit mit in Kauf nehmen,
und deshalb musst du von allem überzeugt sein, was du tust. Wir sind nicht die
Generation ‚Golf’, wir sind die Generation ‚Selbermachen’.“
Wunder erkannten die Zeichen der Zeit, und stellten künstlerische Freiheit
und Autarkie des Handelns von Beginn an nach vorn. Da ging es zunächst nicht
darum, bei einer Plattenfirma Alben zu veröffentlichen, sondern die Songs live
auf die Bühne zu bringen und die Fanbasis direkt aufzubauen. Weit über 200 Auftritte
absolvierten Wunder, die sie mit einer eigenen Booking-agentur selbst
organisierten. 1999 veröffentlichten sie ihre selbstproduzierte 6-track-CD
"ach ja". Belohnt wurde die Mühe mit bundesweiter Medienpräsenz, u.
a. Prinz, Young Miss, Taz, Soundcheck und zahllosen Stadtmagazinen, und vielen Interviews
und Live-Übertragungen auf Radiokanälen im ganzen Land. Dazu gesellten sich
mehrere Musikbeiträge für Kurzfilme und nicht zuletzt eine Version eines ihrer
Songs für das Hörspiel „Die wilden Kerle.“
In ihrer Wahlheimat Hamburg bauten sich Wunder das eigene Studio und ihr
Label Zwischengeschoss auf, Basis ihrer ‚Wunderwelt’, in der sie die meiste
Zeit gemeinsam verbringen. Dort entstanden auch die Songs des Albums "Was hält
uns wach", an dem sie im Januar 2003 begannen zu arbeiten, obwohl damals
noch nicht klar war, wohin der Weg sie führen würde. Einen Plattenvertrag gab
es noch nicht, ein vielversprechender Deal war noch nicht in Sicht, aber für Wunder
war es klar, dass es vor allem auf den eigenen Einsatz ankommt. In ihrem Studio
perfektionierten sie die Songs und produzierten die Aufnahmen selbst. Mit
professionellen Remixen für A-ha, die Berliner Formation Paula und andere Acts
hatten sie ihre Erfahrung im Producerbereich bereits unter Beweis gestellt und
wussten genau, wie sie klingen wollen. Als das Album schließlich fast fertig
war, biss auch die wea an und zeigte sich von dem Material begeistert. „Wir
haben glück gehabt“,“ so Gitarrist und Keyboarder Achim. „Aber zu diesem
Zeitpunkt hätten wir notfalls auch alles selbst in die Hand genommen.“
„Wir leben in unserem Studio in einem eigenen sozialen Gefüge“, erklärt Keyboarder
und Bassist Arne. „Wir sind sehr viel zusammen und haben einen großen Austausch
untereinander. Aus dieser Warte betrachten wir die Welt und das, was um uns
herum geschieht.“ Diese Perspektive und ihre große Selbstständigkeit
verleihen Wunder einen kritischen Blick auf das, was sie umgibt. Und so
geht es in ihren Texten zwar auch um Liebe und Gefühle, aber auch um Lebensentwürfe
und Konzepte, die man ablehnt oder annimmt. Songs wie "Töchter und Söhne",
der Titelsong "Was hält uns wach" oder "Wir-Störung"
behandeln die Notwendigkeit eigener Visionen in einer Umwelt, die Konformität
und bedingungslosen Konsum als Prioritäten setzt, und von der sich Wunder
mit klarem Blick distanzieren.
Dabei sind Wunder nicht explizit politisch aber kritisch, nicht
rebellisch aber durchsetzungsfähig und nicht belehrend aber bestrebt, Dinge
in Gang zu setzen. „Manchmal ist es so, dass jemand ganz zufrieden ist, aber
irgendwas zwickt ihn,“ so Sängerin Katrin. „Vielleicht findet er in unseren
Texten die Worte dafür. Und auch ein Gedanke ist ja schon eine Veränderung.“
Wunder gründeten sich im Jahre 1995, nachdem Katrin und Arne aus Wilhelmshaven
nach Hamburg gekommen waren und suchten via selbstgemaltem Schildchen nach einem
Gitarristen. Mit Achim trafen sie sich bald darauf zu einer ersten Probesession
– und er blieb dabei. 2000 wurde Keller in die Band aufgenommen – nur noch
eine Formsache, denn er hatte sie schon einige Jahre als Live-Musiker begleitet.
In dieser Form bestehen sie bis heute. Wunders Sound war ständiger Veränderung
unterworfen, zurzeit bestimmt ein überaus ausgewogenes Verhältnis von Synthesizer
und Gitarre die Basis. Eindeutige musikalische Klischees vermeiden sie und
suchen stattdessen nach ungewohnten Verbindungen und neuen Pfaden. Live ergänzt ein Drummer die Band, denn „Live mit ’ner Drum-Maschine..das
geht einfach nicht!“ (Keller) Quelle: www.wunder.tv
[by Marleen]